Mitarbeiter:innen der Kinder- und Jugendhilfe sind es gewohnt, mit komplexen Familiensituationen, Krisen, Verantwortung und hoher emotionaler Belastung umzugehen. Vor Gericht verändert sich jedoch die Rolle: Aus der fachlich begleitenden Person wird plötzlich eine formale Verfahrensbeteiligte, die Aussagen trifft, Fragen beantwortet und ihren Standpunkt klar vertreten muss.
Genau hier setzt dieses zweitägige Training an. Die Teilnehmer:innen erhalten juristischen und kommunikationstechnischen Input dazu, wie sie sich auf eine Verhandlung vorbereiten, welche Fragen auf sie zukommen können und wie sie ihre fachliche Einschätzung verständlich, sachlich und wirksam einbringen. Dabei geht es nicht nur um Wissen, sondern vor allem um Handlungssicherheit.
Ein zentraler Bestandteil des Trainings ist die praktische Arbeit: In Kleingruppen, Rollenspielen, simulierten Verhandlungssituationen, Videoanalyse und Feedback werden typische Situationen aus dem gerichtlichen Kontext geübt. Am Nachmittag findet das Training jeweils im Gerichtsraum des Landesverwaltungsgerichtes statt. Dadurch entsteht eine möglichst realitätsnahe Atmosphäre: Raum, Setting, Rollen, Sprache und Dynamik werden spürbar und trainierbar.
Die Teilnehmer:innen setzen sich damit auseinander, wie sie mit Richter:innen, Rechtsanwält:innen, Sachverständigen, Familien- und Jugendgerichtshilfe sowie weiteren Verfahrensbeteiligten professionell umgehen. Sie üben, ruhig zu bleiben, klar zu antworten, bei ihrer fachlichen Rolle zu bleiben und auch unter Druck nachvollziehbar zu argumentieren.
Das Training verbindet rechtliche Orientierung, Kommunikation, Körpersprache, Rollenklarheit und praktische Gerichtssimulation. Ziel ist, dass die Teilnehmer:innen nach diesen zwei Tagen nicht nur besser wissen, was sie erwartet, sondern mit mehr innerer Ruhe, Klarheit und professioneller Sicherheit in gerichtliche Situationen gehen können.
Zielgruppe
Das Training richtet sich an Mitarbeiter:innen und Sozialarbeiter:innen der Kinder- und Jugendhilfe der Bezirksverwaltungsbehörden des Landes Salzburg, die im Rahmen ihrer Tätigkeit mit gerichtlichen Verfahren, insbesondere im Zusammenhang mit Obsorge, befasst sind oder künftig befasst sein können.
Besonders angesprochen sind Personen, die vor Gericht aussagen, Stellungnahmen vertreten, fachliche Einschätzungen einbringen oder in Verfahren mit Richter:innen, Rechtsanwält:innen, Sachverständigen, Familien- und Jugendgerichtshilfe sowie weiteren Beteiligten kommunizieren müssen.
Methodik
Das Training verbindet fachlichen Input mit intensiver praktischer Übung. Eingesetzt werden unter anderem:
- juristischer Input
- kommunikationstechnischer Input
- Übungen in Kleingruppen
- Rollenspiele
- realitätsnahe Gerichtssimulationen
- Videoanalyse
- individuelles und kollegiales Feedback
- Reflexion der eigenen Wirkung und Rolle
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Übungssequenzen im Gerichtsraum des Landesverwaltungsgerichtes. Dadurch erleben die Teilnehmer die Situation nicht nur theoretisch, sondern körperlich und emotional näher an der tatsächlichen Verhandlungssituation.
Die Referentinnen
Dr.in Gabriela Thoma-Twaroch ist Familienrichterin und erfahrene Vortragende für Rechtsanwält, Notar, Richter und Sozialarbeiter. Als Kursleiterin im Justizbildungszentrum Schwechat bringt sie umfassende Erfahrung aus der gerichtlichen Praxis und der Aus- und Fortbildung im Justizbereich mit. Sie vermittelt, was im Verfahren wesentlich ist, welche Fragen und Dynamiken auftreten können und worauf es bei einer professionellen Aussage vor Gericht ankommt.
Mag.a Victoria Bischof-Robinson ist Juristin, Diplomcoach, Resilienzcoach und Kommunikationstrainerin mit Schwerpunkt Aus- und Fortbildung für Justizangehörige sowie Mitarbeiter im gerichtsnahen Raum. Sie verbindet rechtliches Verständnis mit Kommunikation, Auftrittssicherheit und persönlicher Stabilität. Ihr Fokus liegt darauf, Menschen in anspruchsvollen Verhandlungssituationen zu stärken und ihnen mehr Sicherheit im Umgang mit Druck, Nervosität und herausfordernden Gesprächsdynamiken zu geben.
Gemeinsam verbinden die beiden Referentinnen juristische Expertise, Kommunikationstraining und realitätsnahe Übung. So entsteht ein Training, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern konkrete Sicherheit für die Praxis aufbaut